Estnisch

Estnisch-Interna Übersetzungsbüro Berlin

Das Estnische ist eine der kleinsten Kultursprachen der Welt. Es gehört nicht zur indogermanischen Sprachfamilie, sondern zur finnougrischen Sprachfamilie, wie auch Finnisch und Ungarisch.
Etwa 1.2 Millionen Menschen sprechen Estnisch als Muttersprache. Zum Vergleich: ca. 6 Millionen sprechen Finnisch und ca. 14.5 Millionen sprechen Ungarisch.

Die Sprachstruktur

Das Estnische hat 14 Fälle, kennt aber weder Artikel noch die grammatische Unterscheidung zwischen weiblich, männlich und sächlich.
Die Estnische Schriftsprache verwendet das Lateinische Alphabet und benutzt 32 Buchstaben: 17 Konsonanten und 9 Vokale.
Bei so vielen Vokalen werden die Esten als Volk der Sängern bezeichnet. Der Umfang der Volksliedersammlung ist sehr hoch.

Geprägt wurde die Sprachpolitik Estlands im 20. und 21. Jahrhundert durch die Geschichte, in der das Land von Dänen, Schweden, Deutschen und Russen besetzt war. Vor allem die von 1721 bis 1918 währende der  Zeit als  Estland zum Teil der Ostseeprovinz des Russischen Reiches  gehörte, hinterließ ihre Spuren. So kam es während dieser Zeit zu einer ausgeprägten Russifizierung, die Nationalbewusstsein und Bestrebungen nach kultureller Autonomie unterbinden sollte.

Als das Land 1918 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, folgte in sprachpolitischer Hinsicht ein bedeutender Wandel. Nachdem der bis 1920 andauernde Unabhängigkeitskrieg durch den Frieden von Tartu beendet worden war, erlangte zunächst jeder Einwohner die Staatsbürgerschaft der Republik Estland. Während dieser Zeit erlaubten es neu verabschiedete Gesetze ethnischen Minderheiten, ihre Kultur zu bewahren und auszuleben.

Ein erneuter Wandel der Situation ging mit dem Zweiten Weltkrieg einher. Nachdem dieser beendet und Estland in die Sowjetunion eingegliedert war, sollte die Sprachpolitik erneut durch die sowjetische Besatzung bestimmt werden. So folgte eine Einführung eines nahezu selbstständigen und vom estnischen unabhängigen russischen Schulsystems und eine erneute Politik der Russifizierung. Letztere beinhaltete dieDeportation mehrerer Zehntausend Esten und die Ansiedlung ethnischer Russen. So sank der Anteil der Esten an der Gesamtbevölkerung von 88 % vor Kriegsbeginn auf 61,5 % im Jahre 1989, während der Anteil der Bürger mit ostslawischen Muttersprachen im gleichen Zeitraum von 8,2 % auf 35,2 % stieg.[5]

Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit folgte 1991 eine neue Gesetzgebung, die – auch vor dem Hintergrund des Beitritts zur Europäischen Union und als Reaktion auf die Russifizierung der vergangenen Jahrzehnte – mehrfach überarbeitet wurde. Die Staatsbürgerschaft konnte nun nicht automatisch erlangt werden. Vielmehr bestand für die Angehörigen vor allem der russischsprachigen Minderheit die Möglichkeit, entweder nach Russland zurückzukehren, die estnische Staatsbürgerschaft zu beantragen oder mit einer derzeit grundsätzlich ausgestellten unbeschränkten Aufenthaltsgenehmigung als Staatenlose im Land zu verweilen. Der Erwerb der Staatsbürgerschaft setzt Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen voraus sowie das erfolgreiche Bestehen eines Tests zum Grundgesetz des Landes. Vor allem die Bedingung der Sprachbeherrschung wird sowohl von Angehörigen der Minderheit, die um das Russische als zweite Amtssprache bemüht sind, als auch von Amnesty International[6] als diskriminierend beschrieben – die Rolle der Sprache vor dem Hintergrund drohenden Kulturverlustes in der Geschichte vermutlich außer Acht lassend. Die Bestimmungen Estlands entsprechen jedoch denen der anderen EU-Staaten, denen bei der Anwendung ähnlicher Gesetze keine Diskriminierung vorgeworfen wird. Mit dem Programm „Integration in der estnischen Gesellschaft 2000 – 2007“ (estnisch:Riiklik programm. Integratsioon Eesti ühiskonnas 2000 – 2007.) waren Ziele wie „sprachlich-kommunikative“, „rechtlich-politische“ und „sozialwirtschaftliche Integration“ angestrebt und verfolgt worden. Das Integrationshindernis Sprache sollte beseitigt werden. Mittlerweile muss an allen Schulen des Landes Estnisch unterrichtet werden, sodass bei Beendigung der Mittelstufe das Niveau B2 erreicht ist. Ferner gibt es für Erwachsene die Möglichkeit, kostenlose Sprachkurse zu belegen und ebenfalls kostenlos ihre Sprachkenntnisse zertifizieren zu lassen.

Ethnische Minderheiten genießen weiterhin weitreichende Rechte und russischsprachige Schulen, an denen Estnisch als erste Fremdsprache gelehrt wird, werden vom Staat gefördert.

Die Bestrebungen der Regierung, möglichst viele der 2007 noch 130.000 Staatenlosen einzubürgern und die Kenntnis der estnischen Sprache zu verbreiten, führen nur langsam zu Ergebnissen. Jedoch ist festzustellen, dass 1989 etwa 67 % der Bevölkerung Estnisch beherrschten, 2008 aber bereits 82 %.[4][9]

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